Die richtige Hierarchie in der Mannschaft - wie wichtig sind klare Strukturen?

07.04.2014 12:19 von Teamsportbedarf.de
Tags: Hierarchie Teamplayer Teambuilding Mannschaftskapitän Training Überraschungseffekt

Als Hierarchie wird im allgemeinen Sprachgebrauch das Verhältnis von Über- sowie Unterordnung bezeichnet. Hierarchische Struktur bedeutet, dass bis auf die oberste Hierarchiestufe jeder, der sich darunter befindet, buchstäblich jemanden über sich hat. Das aus dem Lateinischen abgeleitete Wort Hierarchie bezeichnet unter anderem Führung, Herrschaft, Kompetenz und Verantwortung. Hierarchien sind in jeder Gruppe so notwendig wie zweckmäßig. Das gilt auch für alle Sportarten und Disziplinen, zwingend jedoch für den Mannschaftssport. Je größer eine Mannschaft, das Team ist, umso gefragter sind Strukturen und die damit verbundenen Hierarchien. Die lassen sich jedoch ganz unterschiedlich ausgestalten. Jedes Team ist anders; es besteht aus einzelnen Sportlern, aus individuellen Persönlichkeiten. Ob in der Schulklasse, ob in der Gruppe mit Freunden als einer freiwilligen Gemeinschaft, oder in einem Team der Fußballabteilung als einer Zweckgemeinschaft; überall ergibt sich ganz zwangsläufig eine Hierarchie. Das ist keineswegs negativ, sondern eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Gruppe oder das Team funktioniert.

Team braucht Teamplayer und Teamleader
Zu einem Fußballteam gehören, vom ersten Stammspieler bis zum letzten Ersatzspieler, insgesamt zwei- bis zweieinhalb Dutzend Spieler. Elf von ihnen stehen auf dem Platz, etwa ein halbes Dutzend nimmt während des Spiels auf der Bank in der Coachingzone Platz, und die verbleibenden Spieler unterstützen von der Zuschauertribüne aus ihr Team. Diese Präsenzpflicht ist ein wesentlicher Bestandteil des Teambuildings, der Teambildung und auch der Hierarchie. Wenn ein Punktespiel, also ein Ligaspiel ansteht, dann ist das ganze Team gefragt. Jeder ist auf seinem Platz im Einsatz. Die einen aktiv auf dem Platz, die anderen passiv auf der Tribüne und dennoch aktiv mit dabei. Zum Team gehört die unbedingte Gemeinschaft. Nicht nur für das innere Mannschaftsgefüge, sondern auch für die Wirkung nach außen ergibt sich aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus eine Hierarchie. Sie ist das Ergebnis von Mehrheiten innerhalb der Mannschaft, die sich aus ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten ergeben. Eine Schlüsselposition nehmen dabei der Mannschaftskapitän sowie sein Stellvertreter ein. Oftmals sind es Spieler, die ihrer Einmaligkeit wegen anerkannt und demensprechend respektiert werden. Auf dem Spielfeld gibt es nur einen Torwart und nur einen klassischen Mittelstürmer. Wenn beide auf ihrer Spielerposition erfolgreich, in dem Sinne unangreifbar sind, dann wird ihnen die Spitze der Hierarchie übertragen, sozusagen anvertraut.

Teamleader als Allrounder
Wer eine Mannschaft führt, insofern an der Hierarchiespitze steht und die weitere Hierarchie sowohl mitbestimmt als auch beeinflusst, von dem erwarten alle anderen mehr als nur Tore zu schießen oder Tore zu verhindern. Die Person muss führen, leiten und gestalten können. Sie müssen auf der ganzen Länge überragend gut und dadurch auch unangreifbar sein. Temporäre Schwächen wie ein Leistungstief werden vom Team goutiert. Die eigentliche Leistung, die dauerhaft unter Beweis gestellt wird, muss jedoch für alle anderen Teammitglieder beispielhaft gut sein. Der Teamleader muss all das können, was die anderen nicht können oder sich nicht trauen. Daher sind auch die Mannschaftsbesprechungen ohne den Trainer sehr wichtig. Hier ist das Fußballteam unter sich; es kann, wie es heißt, frei und offen sprechen. Hier werden die eigentlichen Hierarchien und Strukturen gebildet. Jetzt liegt es am Trainer, wie er damit umgeht.

Potential von Team und Hierarchien ausschöpfen
Zu den wichtigen Trainings- und Führungsqualitäten des Trainers gehört es, die Mannschaftshierarchie zu erkennen, sie zu bewerten, gegebenenfalls zu ändern und ds Bestmögliche daraus zu machen. In der Regel ist es so, dass das Team vorhanden ist und der Trainer neu hinzukommt. Er ist der Neuankömmling, der sich einleben und eingewöhnen muss. Er muss sein Team mit all seinen Eigenarten und Eigenschaften kennenlernen. Dazu gehört auch eine schon vorhandene Hierarchie. Die Struktur steht mit den Spielpositionen der einzelnen Spieler, mit der Kernmannschaft und den Ersatzspielern, den sogenannten Reservespielern und mit dem Mannschaftskapitän sowie seinem Stellvertreter fest. Diese Struktur muss der Trainer so nehmen, wie sie ist.
Jetzt folgt die Alltagsarbeit, das tägliche oder wöchentlich mehrmalige Training. Der Trainer beobachtet aufmerksam, wie die ihm erklärte oder von ihm erkannte Hierarchie auf dem Spielfeld umgesetzt wird. Haben die Hierarchiespitzen auf dem Platz das Sagen, und wird das von ihnen Gesagte auch so umgesetzt. Wie reagieren die Teammitglieder aufeinander sowie untereinander. Wie ist ihre verbale Kommunikation, wie ihre Körpersprache. Wird aggressiv trainiert, und wenn ja, geht es um den Ballgewinn oder um die Beine des Spielgegners.

Motivation gehört an die Hierarchiespitze
Jedes Teammitglied hat seine persönlichen und leistungsmäßigen Fähigkeiten sowie Schwachpunkte. Zur Aufgabe des Trainers gehört es, Stärken zu fördern, das vorhandene Potential bis an die Grenze auszuschöpfen, und gleichzeitig so viele Schwachpunkte wie möglich auszuklammern. Das Motivieren ist eine ganz wichtige Stärke in einem Team. Für die Leistung kann es hinderlich bis hin zu destruktiv sein, wenn ein motivationsbegabter Spieler mit seinem Können, also mit dem Motivieren, nicht rüberkommt, sondern innerhalb der Hierarchie auf der Strecke bleibt. Vergleichbar mit einem Puzzle muss der Trainer jede Art von Können und Fähigkeiten des gesamten Teams auflisten, mischen und danach so verteilen, dass sich eine optimale Nutzung daraus ergibt. Der gute Motivator wird dadurch gefördert, dass er ausreichenden Freiraum erhält. Jetzt bleibt abzuwarten, wie er sich verhält, und was sich aus dieser Situation ergibt; was er daraus macht, und wie die anderen darauf reagieren. Daraus ergeben sich wiederum neue und andere Schlussfolgerungen für den Trainer. Auf diese Weise festigt sich die schon vorhandene Hierarchie, oder sie wird schrittweise umgebaut.

Hierarchiewechsel nur aus der bestehenden Hierarchie heraus
Zahlreiche Beispiele sowohl aus dem Profi- als auch aus dem Amateurfußball zeigen, dass neue Besen oft kurzfristig, aber keineswegs immer dauerhaft gut kehren. Wenn der neue Trainer bestehende Hierarchien oder Strukturen auf den Kopf stellt, sie also komplett ändert, dann ist der Erfolg meistens nur sehr kurz. Vielfach ist es der erste Überraschungseffekt, manchmal auch nur ein Zufall, der zu drei oder auch sechs Punkten aus zwei Spielen führt. Danach setzt sich, wenn auch schleichend bis hin zu subtil, die bestehende Hierarchie wieder durch. Sofern der Trainer dann sein Konzept nicht ändert und darauf eingeht, wird er schon mittelfristig keinen Erfolg mehr haben. Er findet keinen Kontakt zum Team; wie es genannt wird, erreicht er seine Mannschaft nicht. Ein Wechsel in der Hierarchie ist nur gemeinsam mit dem Team möglich, und zwar mit einer deutlichen Mehrheit. Die kann nicht vorgegeben, also strukturiert, sondern muss mit den führenden Teamplayern, zu denen Mannschaftskapitän und Stellvertreter gehören, diskutiert werden. An denen liegt es jetzt, ihre Mitspieler zu überzeugen. In dieser Runde bilden sich Mehrheiten, die akzeptiert werden. Wer nicht damit einverstanden ist, stellt sich selbst ins Abseits und wird dauerhaft ausscheiden. Darauf hat, zumindest im Amateurfußball, der Trainer keinen direkten Einfluss. Das Team regelt seine Hierarchie selbst und unter sich.

Gute Struktur optimiert die Hierarchie
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass in jedem Team eine Hierarchie vorhanden ist. Sie ist natürlich gegeben, weil eine Gruppe wie die Zweckgemeinschaft einer Fußballmannschaft ohne Hierarchie nicht funktioniert. Die Qualität der Hierarchie steht in einem engen und direkten Zusammenhang mit der Struktur. Ganz einfach gesagt: Einer oder einige Wenige müssen das Sagen haben, dem sich alle anderen Teammitglieder fügen. Innerhalb der Hierarchie hat jeder seine Verantwortung, begrenzt auf seinen Platz im Team. Zur Struktur gehört, dass die Hierarchie akzeptiert und eingehalten wird. Das sind die sogenannten Spielregeln, die für jeden im Team gelten. Daran zeigen sich Qualität und Teamgeist.
Der Trainer weiß, dass er ohne sein Fußballteam nicht arbeiten kann. Er kann eine bestehende Hierarchie durchaus erfolgreich umwandeln, allerdings weder auswechseln noch austauschen. Das würde ein Team mit seiner bestehenden Hierarchie nicht mitmachen mit der Folge, dass der Abstand zwischen Trainer und Mannschaft eher größer als kleiner werden würde.


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