Fangspiele im Kindertraining - was und wie wird gefördert?

05.04.2014 12:15 von Teamsportbedarf.de
Tags: Bewegungserziehung Schnelligkeit Reaktionsverhalten Stressausgleich Gesundheitsförderung Bewegungsförderung

Der Grundbegriff
Fangspiele fallen in den Bereich der sportlichen Aktivität von Kindern, hier die Bewegungserziehung bzw. Bewegung und Gesundheit. Durch Bewegung wird die körperliche Wahrnehmung der Kinder gefördert und das Grunderleben zum Lernen geschaffen. Kinder erhalten außerdem durch die Bewegung einen Ausgleich zu ihrem inneren Leben wie auch Verarbeiten des Alltags und können hierdurch Spannungen abbauen. Nur durch Bewegung können sich die Organe richtig entwickeln und die Muskeln des Körpers aufbauen. In entsprechender Umgebung können die Kinder sich sicher bewegen und durch Anleitung immer wieder neue Erfahrungen machen. In der Bewegung kann sich auch das Gehirn differenzierter entwickeln, da durch die motorische wie auch kognitive Reizung gleichermaßen mehrere Bereiche angesprochen werden. Unter Bewegung können Kinder sich spontan erleben, die Förderung findet sehr passiv statt. Kinder fühlen sich zudem gesund, sind weniger krankheitsgefährdet und haben oftmals auch weniger Ängste, als Kinder mit wenig körperlichem Bewegungsanreiz oder sogar Defizit.

Voraussetzungen
Kinder haben heute die unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen und weisen oft Defizite durch mangelnde Erfahrungen und falsche Ernährung auf. Fangspiele dienen der ungezwungenen Bewegung und erfordern grundsätzlich wenig Regeln, die beachtet werden müssen. Kinder mit unterschiedlichen Entwicklungsständen können dieses Spiel gut miteinander spielen, da auch immer ein Wechsel zwischen Fänger und Gefangenem stattfindet bzw. Gefangenen. Variationen der Regeln sind hier möglich und werden oftmals von den Kindern selbst erfunden und umgesetzt.

Raum und Umfang
Die Bewegungsfreude wird durch spontane Freiräume gefördert, in denen Kinder rennen, laufen und ausgelassen toben können. Im Fangspiel sind all diese Aspekte integriert. Fangspiele erfordern zudem keinen fest vorgeschriebenen Raum, man kann sie in einer Turnhalle, im Freien, im Wald, wie auf Wiesen gleichermaßen ausführen, sodass diese auch nicht jahreszeitabhängig sind.

Weitere Förderbereiche
Die körperliche Geschicklichkeit sowie auch die kognitive Beeinflussung werden in Fangspielen vor allem durch das Vorauskalkulieren, wie z.B. ein Ausweichen des Gegenspielers gefördert. Im Fangspiel ist nicht allein die Schnelligkeit erforderlich, sondern ebenso körperliches Bewegungsvermögen und schnelle kognitive Verarbeitung der Geschehnisse und ein darauf angemessenes Reaktionsverhalten. Durch das häufige Ausüben etwaiger Bewegungsspiele und ihrer Variationen werden die Bereiche weiter ausgeprägt und Erlerntes kann gefestigt und wiederholt werden, ohne dass Langeweile entsteht.

Erweiterung des Spiels und der Förderbereiche
Fangspiele lassen sich zudem erweitern, indem man als Trainer musische und kreative Elemente einbaut. Dies kann z.B. durch Regelerweiterung so aussehen, dass nur während ein Musikstück gespielt wird, gefangen werden darf oder nur in einem bestimmten abgesteckten Bereich das Fangen erlaubt ist- dies wäre der Fall, wenn beispielsweise Schutzzonen erreicht werden können, die vorher ausgelegt werden, in Form von Ringen oder als abgesteckte Gebiete. Auch kann das Spiel soweit variiert werden, dass Gefangene zu Fängern werden usw.
Besondere körperliche Herausforderung stellt die Komponente mit der Musik dar, wenn die Kinder in genau der Position verharren müssen, in der sie sich gerade befinden, sobald die Musik abgestellt wird und sich erst wieder in eine andere Position begeben können, sobald die Musik wieder einsetzt. Hier ist vom Trainer auf das jeweilige Alter und den Entwicklungsstand der Kinder insbesondere daraufhin zu achten, dass die Zeitspannen entsprechend angemessen gewählt werden. Die Kinder werden auf besondere Weise in ihrem Reaktionsvermögen und ihrer Kalkulation gefördert. In den Ruhephasen findet eine Beobachtung der anderen statt und ein Abschätzen der eigenen Möglichkeiten wie auch der Handlungsspielräume der Mit- und Gegenspieler.
Ebenso kann ansatzweise die Sprache durch Fangspiele gefördert werden, in dem man diese durch bestimmte Rufe der Kinder etc. im Regelwerk erweitert. Diese einzelnen Sprachreize fördern zudem die Aufmerksamkeit der Kinder im Spiel und gestalten den Spielablauf teilweise übersichtlicher. Schon die Kleinsten unter den Mitspielern verstehen die einfachen Worte und Sätze oder Ankündigungen, wie z.B. :"Gefangen!", "Du bist dran!", "Alle Kinder mit blauer/gelber/grüner/roter usw. Kleidung werden gefangen" etc. und können diese in einem einfachen Regelwerk selbst umsetzen.

Unterschiede bei den Geschlechtern
Oftmals ist es so, dass gerade im Bereich der Bewegungserziehung Mädchen und Jungen unterschiedlich entwickelt und gefördert werden. Hier sollte der jeweilige Trainer darauf achten, dass Jungen differenzierter im Spiel reagieren und so auch die kognitive Fähigkeit insbesondere mit einbezogen wird (beispielsweise durch oben genannte Variationen des Fangspiels) und Mädchen insbesondere dazu ermutigt werden sich freier und ungezwungener zu bewegen und das Spiel einfach fließen zu lassen. Bei Mädchen kann dies vorzugsweise durch große Freiräume im Fangspiel erreicht werden.

Fangspiele als Stressausgleich
Bewegung dient auch dem Ausgleich von Anspannung und Entspannung. Kinder mit vielen Anforderungen durch Schule oder Elternhaus sind häufig angespannter und können sich in der Bewegung "abreagieren" und infolge entspannen. Das besondere Augenmerk eines Trainers sollte also auch auf die umfassende Situation der einzelnen Kinder gelenkt werden, um jedes Kind bestmöglich zu fördern und anzuleiten. Manchmal bemerken die Kinder nicht von selbst, wie gut die Bewegung als Stressausgleich ist und benötigen spezielle Ermutigung und Anreize. Fangspiele sind hier durch ihr einfaches Regelwerk und die Anpassungsmöglichkeit an die einzelnen Erfordernisse der Kinder in besonderem Maße geeignet.

Angrenzung an den Aspekt Gesundheit
Bewegungsspiele, insbesondere auch Fangspiele, powern die Kinder aus und machen sie durstig wie auch hungrig. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist deshalb stets, insbesondere an warmen Tagen, zu achten. Ist ein anschließendes oder zwischenzeitliches Einnehmen von Mahlzeiten oder Getränken vorgesehen, so sollten Trainer ein Augenmerk darauf haben, dass sie nicht dem Ziel der Gesundheitsförderung entgegenwirken, sondern die Ernährungsgewohnheiten der Kinder positiv beeinflusst werden. Bewegung und Gesundheit sind immer in einem gemeinsamen Kontext zu sehen und können miteinander verbunden und aufgebaut werden.

Zusammenfassung
Fangspiele sprechen viele Bereiche der Entwicklung von Kindern an und können weitere Randbereiche anreißen. Im Vordergrund steht als Hauptziel meistens die Bewegungsförderung mit den vorher genannten Unterzielen der kognitiven, ganzheitlichen, gesundheitlichen und ausgleichenden Förderung mit möglichem Eintreten in die Bereiche der Wahrnehmung, musischen Kreativität, Sprachentwicklung und auch mathematische Angebote. Je nach Alter der Kinder kann man diese auch mit einbeziehen, um Abwandlungen des Grundspiels "Fangen" zu entwickeln und umzusetzen. Das kreative Denken der Kinder wird gefördert und das anschließende Umsetzen der eigenen Regeln und Abläufe stellt die Teilnehmer vor einen besonderen Anreiz, welcher die Kurzweile des Spiels erhält und die Aufmerksamkeit sowie die Lust am Spiel erhöht.


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