Freistöße und Ecken kurz ausführen

11.06.2013 06:00 von Teamsportbedarf.de
Tags: Freistöße Ecken Handlungsschnelligkeit

Selbst in der untersten Kreisklasse findet sich bei einem Freistoß, der 30 Meter vor dem Tor stattfindet, meist ein Spieler in der Mannschaft, der fest davon überzeugt ist, dass er aus dieser Entfernung ein Tor schießen kann. Das stimmt vielleicht sogar, doch statistisch gesehen ist es völlig sinnlos, jenseits der 25-Meter-Marke Freistöße direkt auf das Fußball Tor zu schießen. Wenn Sie keinen überragenden Freistoßschützen in der Mannschaft haben und ihr Team keine Freistoßtricks beherrscht, ist es wahrscheinlich nicht einmal sinnvoll, die Freistöße in unmittelbarer Strafraumnähe direkt auf das Tor zu schießen.

Bei Ecken lässt sich aus statistischer Sicht etwas Ähnliches feststellen. Die meisten Ecken führen nämlich nicht zu einem Torerfolg. Wenn Sie nicht einen sehr guten Eckenschützen und mindestens einen herausragenden Kopfballspieler im Team haben, ist es extrem schwierig, überhaupt ein Tor bei einer Ecke zu erzielen. Gleiches gilt ebenso, wenn Ihre Spieler etwas kleiner sind als der Durchschnitt. Dann hilft Ihnen auch der beste Eckenschütze nichts, denn die großen Verteidiger des Gegners werden keine Mühe haben, jede Ecke zu klären. Aber es steht auch nirgendwo geschrieben, dass Sie eine Ecke in den Strafraum flanken müssen.

Vom FC Barcelona lernen

Der FC Barcelona führt viele Freistöße und Ecken kurz aus. Die oben genannten Gründe sind dafür wesentlich, wobei die Katalanen darüber hinaus den Anspruch haben, möglichst lange den Ball zu besitzen in einem Spiel. Bei Freistößen und Ecken ist aber ein Ballverlust die wahrscheinlichste Variante. Nun ist Ihre Mannschaft, ohne Ihnen zu nahe zu treten zu wollen, ganz sicher nicht einmal ansatzweise spielerisch vergleichbar mit dem FC Barcelona. Aber wenn Sie ein spielstarkes Team haben, das etwas mit dem Ball anzufangen weiß, ist es in vielen Situationen besser, Freistöße und Ecken nicht auf die traditionelle Weise auszuführen. Sie können Freistöße und Ecken auch ganz anders zu einem Vorteil machen.

Schnelle Ausführung irritiert den Gegner

Wenn Sie möglichst viele Freistöße, Ecken und Einwürfe schnell ausführen lassen, wird Ihre Mannschaft den Gegner, der z.B. gerade die Freistoßmauer aufbaut, oft in einer ungeordneten Verfassung vorfinden. Schnelligkeit bedeutet aber nicht Hektik. Wenn der Spieler, der den Freistoß ausführen soll, keinen Anspielpartner hat oder erkennt, dass der Gegner sich gut positioniert hat, ist vielleicht eine andere Variante besser. Aber wenn Sie Ihren Spielern beibringen, gedankenschnell Freistöße und Ecken auszuführen, dann werden in jedem Spiel aus solchen Situationen gefährliche Aktionen entstehen, denn die meisten Gegner sind nicht vorbereitet auf eine derart aggressive Strategie.

Jeder Spieler darf den Freistoß ausführen. Das ist die unbedingte Voraussetzung dafür, dass diese Taktik überhaupt funktioniert. Wenn nämlich erst ein Spieler einen langen Weg zurücklegen muss, um überhaupt zum Ball zu kommen, ist eine schnelle Ausführung nicht mehr möglich. Bei einer Ecke ergeben sich auch viele Vorteile, wenn Ihre Spieler eine schnelle Ausführung bevorzugen. Der Spieler, der den Pass bekommen möchte, kann sich mit einer schnellen Bewegung von seinem Gegenspieler lösen und auf den Eckenschützen zulaufen. Wenn der Gegner dann nicht richtig reagiert, haben Ihre beiden Spieler eine Überzahlsituation, die sie entweder für eine gefährliche Hereingabe oder ein Eindringen in den gegnerischen Strafraum nutzen können.

Das richtige Maß finden

Selbstverständlich sollten Sie nicht jeden Freistoß und jede Ecke kurz ausführen lassen. Ansonsten kann sich der Gegner recht schnell auf diese Taktik einstellen. Wenn Ihre Mannschaft dieses taktische Mittel allerdings beherrscht, ist es in vielen Situationen möglich, Gefahr zu kreieren. Manchmal ist es aber dann auch angebracht, eine gute Schussposition zu nutzen, um einen direkten Freistoß zuschießen. Übrigens ist es auch möglich, eine Flanke, sei es aus einer Freistoßposition oder von der Eckfahne, schnell zu schlagen. Wenn beispielsweise bei einer Ecke der Gegner noch keine Zuordnung gefunden hat, aber die Angreifer in guter Position sind, kann ein cleverer Eckenschütze dies ausnutzen.

Schnelle Freistöße und Ecken trainieren

Eigentlich ist es sehr einfach, kurze Freistöße die schnell ausgeführt werden sollen, zu trainieren. Dazu müssen Sie einfach nur in jedem Trainingsspiel die Anweisung geben, das Freistöße und Ecken kurz und schnell ausgeführt werden soll. Zudem können Sie auch jeden Einwurf einschießen lassen, um die Zahl der Freistoßsituationen im Training zu erhöhen. Allerdings sollten Sie auch nicht vergessen, dass der Einwurf als Standardsituation ebenfalls bei einer schnellen Ausführung viele Vorteile mit sich bringt. Einwürfe werden meist nur dann problematisch, wenn der ein Werfer zu lange wartet.

Handlungsschnelligkeit ist oftmals entscheidend

Handlungsschnelligkeit ist ein elementares Thema im Fußball. Es gibt in der Bundesliga Spieler, die nicht überragend schnell sind, beispielsweise Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos. Doch gerade diese beiden Spieler sind gute Beispiele dafür, dass Handlungsschnelligkeit viel wichtiger sein kann als Laufgeschwindigkeit. Ideal ist natürlich, wenn beides in Perfektion zusammenkommt. Aber einen Lionel Messi gibt es eben nur ein einziges Mal auf der Welt. Wenn Sie es schaffen, Ihren Spielern beizubringen, bei Freistößen, Ecken und Einwürfen mit einer hohen Handlungsschnelligkeit zu agieren, wird das Ihre Mannschaft enorm voranbringen.

 


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