Positionstraining im Fußball - Warum ist es so wichtig für die Spieler?

11.04.2014 12:31 von Teamsportbedarf.de
Tags: Taktik Mannschaftstaktik Stellungsspiel Torwarttraining Libero Abwehrkette Raumdeckung

Taktik der Spielpositionen

In Abhängigkeit von der Spielposition hat jeder Spieler zusätzliche Aufgaben und spezifische taktische Möglichkeiten.
Die Angriffs- und Abwehrtaktiken der Spielpositionen hängen sehr stark von der jeweiligen Gruppen- und Mannschaftstaktik ab. Umgekehrt summieren sich die taktischen Handlungen der einzelnen Spielpositionen auch zu diesem komplexen taktischen Konzepten. Deshalb sind gruppen- oder mannschaftstaktische Konzepte des Trainers, die zu wenig die individuelle Handlungsfähigkeit der Spieler auf den einzelnen Spielpositionen berücksichtigen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Taktik des Torwarts

Die Taktik des Torwarts unterscheidet sich besonders markant von der Einzeltaktik der Feldspieler. Regelbedingt nimmt der Torwart eine Sonderstellung innerhalb der Mannschaft ein, die spezifische taktische Verhaltensweisen mit sich bringt. Folgende Aspekte der Torhütertaktik sind von besonderer Bedeutung:
- Die Orientierung im Tor und im Strafraum
- die Grundposition beim Torschuss
- das Fangen und/oder Fausten
- die Ballabnahme gegen dribbelnde Stürmer
- der Torwart als Angriffsspieler
- der Torwart als Dirigent seiner Abwehr
- der Torwart beim Strafstoß
- das Stellen der Mauer beim Freistoß

Orientierung im Tor und im Strafraum

Das Stellungsspiel des Torwarts wird wesentlich von seiner Fähigkeit, sich im Tor- und Strafraum richtig zu orientieren, beeinflusst.
Der Torwart muss seine Stellung im und vor dem Tor ständig verändern, um dem Wechsel der Spielsituaionen und den unterschiedlichen Ballflugwegen gerecht zu werden. Bei seinen Bewegungen aus dem tor heraus hat er das von ihm zu verteidigende Gehäuse ienmal im Rücken (wenn der Ball in der Mitte vor dem Tor ist), einmal zu seiner Rechten (wenn der Gegner über die rechte Seite angreift) und einmal zu seiner Linken (wenn der Gegner von links kommt).
Aus den verschiedensten Stellungen zum Tor muss er immer wieder - meist rückwärts laufend - ind die Mitte des Tores zurückfinden. Da er dabei voll auf den Ball konzentriert ist, muss er sich bei seinem Rückzug an den Torraum- und Strafraumlinien orientieren. Viele Torhüter ziehen (verbotenerweise) zusätzlich eine Hilfslinie von der Mitte des Tores senkrecht ins Spielfeld, an der sie sich hauptsächlich orientieren.
Besonders schwierig wird die Orientierung für die Torhüter bei Standardsituationen wie Freistoß und Eckstoß, wenn der Strafraum von Mit- und Gegenspielern, dicht besetzt ist. Er muss sich oft in Bruchteilen von Sekunden zum Herauslaufen entschließen und dabei zielsicher und gewandt zu dem Punkt starten, wo er zum Beispiel eine Flanke am erfolgreichsten abfangen kann.

Grundposition beim Torschuss

Unter den Torhütern gibt es die berüchtigten "Flieger", die mangelndes Stellungsspiel meist durch spektakuläre Paraden wettzumachen versuchen.
Der gute Torwart steht intuitiv immer richtig, das heißt dort, wo er die besten Abwehrchancen hat.
Folgendes ist im Übrigen entscheidend für die Position des Torwarts:
Die Entfernung des Balles vom Tor
Dafür gelten folgende Grundregeln.
- Wenn der Ball in der gegnerischen Hälfte ist, rückt der Torwart bis an die Strafraumgrenze vor, um bestenfalls Steilpässe abzuwehren.
- Wenn der Ball in der eigenen Hälfte bis etwa 25 m vor dem Tor ist, bleibt der Torwart auf der Linie, um nicht von Weitschüssen mit fallender Flugkurve überspielt zu werden.
- Wenn ein Gegenspieler mit dem Ball am Fuss an und in den 16-m-Raum vordringt, kommt ihm der Torwart winkelverkürzend entgegen. Dabei muss er seine Vorwärtsbewegung beenden, wenn der Gegenspieler zum Schuss ansetzt.
Merke: Wenn der Torwart sein Tor verlässt, sollte er seinen Körperschwerpunkt stets nach vorne auf den Vorderfuss verlagern. Aus dieser Position kann er am schnellsten reagieren.

Taktik des Libero

In Deutschland agiert der Libero meist hinter der Abwehrkette der Verteidiger. Er hat dabei die Aufgaben, die der junge Franz Beckenbauer als erster Mann im deutschen Fussball mit dieser Position verbunden hat. Das sind folgende Funktionen und Aufgaben:
Dirigent der Abwehr: Dadurch, dass der Libero nach hinten abgesetzt ist, hat er das Spielgeschehen vor sich gut im Auge; er kann - ähnlich wie der Torwart aus dieser Position heraus das Stellungsspiel und die Aktionen seiner Vorderspieler durch Zurufe steuern.
Absichern der Vorderleute: Der Libero bewegt sich hinter der Abwehrkette meist auf Höhe des Balles. Wenn einer seiner Vorderspieler im Zweikampf versucht, den Ball zurückzuerobern, sichert ihn der Libero ab. Dabei ist der Abstand zwischen Libero und Verteidiger um so enger, je näher der gegnerische Spieler dem eigenen Tor kommt. Im günstigsten Falle steht der Libero 2 bis höchstens 3 m hinter dem Verteidiger.
Abschirmen der freien Räume und der Gassen: Pässe werden nicht nur auf die gedeckten Sturmspitzen, sondern vor allem auch in die freien Räume (in die Gasse) gespielt. Durch die raumdeckende Position des Libero - er hat keinen direkten Gegenspieler - kann er diese Bälle leichter abfangen. Erfahrene Liberos lassen die Gasse für einen Pass bewusst offen, um das Zuspiel in den freien Raum zu erleichtern - ja zu provozieren. Aufgrund ihrer Spielerfahrung und ihres guten Auges ist es ihnen meist möglich, die Bälle vor den gegnerischen Stürmern abzufangen.

Taktik der Verteidiger

In Abhängigkeit von der Mannschaftstaktik spielt der Verteidiger in Mann- oder in Raumdeckung. Entsprechend unterschiedlich ist auch sein gesamtes taktisches Verhalten.
Deutlich unterschiedlich ist das taktische Verhalten zwischen dem Innenverteidiger und dem oder den beiden Außenverteidigern.
Der bzw. die Innenverteidiger bekämpfen schwerpunktmäßig die Sturmspitze in der Mitte des Feldes vor dem eigenen Tor. Diese Funktion ist so wichtig, dass sie sich nur selten in das eigene Angriffsspiel einschalten oder andere Abwehraufgaben übernehmen.
Anders der Außenverteidiger. Er wechselt, wenn der Ball auf der gegenüberliegenden Seite gespielt wird, von seiner angestammten Position weg in Richtung zum Tor, um den Libero bei der Deckung des gefährlichen Raumes vor dem Tor zu unterstützen. Dabei kann er seinen direkten Gegenspieler nahe der Seitenlinie ungedeckt lassen, denn wenn der Ball durch Flügelwechsel zu seiner Seite verlagert wird, hat er genügend Zeit, um sich wieder zu seinem Gegenspieler hin zu orientieren.

Taktik der Mittelfeldspieler

Mit unterschiedlicher Gewichtung haben alle Mittelfeldspieler Aufgaben in Angriff und Abwehr zu erfüllen. Sie sind für den schnellen Wechsel von Abwehr auf Angriff und von Angriff auf Abwehr, so wie er im modernen Spiel gefordert wird, verantwortlich.
Auch die Verlagerung des Spiels von einer Spielfeldseite zur anderen und der Wechsel des Spielrhythmus zählt zu ihren Aufgaben.
Mannschaften, die mit vier und mehr Mittelfeldspielern spielen, praktizieren im Mittelfeld häufig eine so genannte "Päarchen-Bildung". Von den beiden Spielern kann sich immer nur einer offensiv in das Angriffsspiel einschalten.
Die Raumverteilung bei den Mittelfeldspielern kann, wie bereits erwähnt, äußerst unterschiedlich sein. Bei eigenen Tempogegenstößen sollten die Mittelfeldspieler öfter diagonale Laufwege wählen. Sie bewegen sich dabei immer wieder in Randgebiete von Abwehrzonen und entziehen sich dadurch auf elegante Weise stets aufs Neue dem Zugriff der raumdeckenden gegnerischen Spieler. Durch den diagonalen Laufweg wird auch das Stellungsspiel des gegnerischen Liberos erschwert. Der moderne Mittelfeldspieler muss vor allem auch Stürmerqualitäten besitzen.

Taktik der Sturmspitzen

Die Sturmspitzen sind heute häufig auf sich alleine gestellt - und dies im Kampf gegen eine oft in Überzahl spielende Abwehr. Meist werden sie durch Steilpässe ins Spiel gebracht. Sie müssen sich dann gegen die Überzahl von Abwehrspielern durchsetzen oder den Ball solange unter Kontrolle halten, bis Mittelfeldspieler zu ihrer Unterstützung nach vorne rücken. In beiden Fällen können sie die schwierige Aufgabe nur mit großem technischen Geschick und gewandter, beidbeiniger Ballführung lösen. Der engen Deckung durch den direkten Gegenspieler kann sich die Sturmspitze durch Positionswechsel und Ausweichen auf den Flügel entziehen. Als Mittel gegen die Überzahl der Abwehr kann sich eine der beiden gedeckten Sturmspitzen zum Libero hin bewegen.


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