Verlässliches Trainingsstruktur oder immer wieder Überraschungen?

20.07.2013 06:00 von Teamsportbedarf.de
Tags: Trainingsplan Trainingsgestaltung Trainingsreiz

Der legendäre Otto Rehhagel war in seiner aktiven Zeit als Trainer bekannt dafür, dass er seine Trainingsinhalte nur sehr selten veränderte. Seine Lieblingsspielform war 8 gegen 8 über den ganzen Platz. Angesichts der vielen Erfolge, die Rehhagel als Trainer feiern durfte, ist es durchaus berechtigt zu fragen, ob es wirklich notwendig ist, das Training immer wieder zu variieren. Gerade junge Trainer neigen dazu, ständig die Trainingspläne zu verändern, um neue Reizpunkte zu setzen. Dafür gibt es durchaus Argumente, aber Sie sollten sich genau überlegen, welcher Weg für Sie optimal ist.

Wiederholung ist ein wichtiger Lernfaktor

Wenn Sie in der Schule ein Gedicht auswendig lernen mussten, haben Sie es wahrscheinlich schon bald nach dem Aussagen wieder vergessen. Ähnlich geht es auch einem Spieler, der eine großartige Übung ein einziges Mal macht und danach nie wieder. Sie sollten Ihren Spielern die Gelegenheit geben, Übungen zu verinnerlichen. Der Trainingseffekt steigt, wenn Ihre Spieler die Übung bei jeder Wiederholung besser machen. Das lässt sich sehr schön illustrieren am Schlusstraining: Wenn Sie bei jeder Trainingseinheit Schüsse nach Doppelpass trainieren lassen, können Ihre Spieler bei jedem Mal die gemachten Erfahrungen verwerten und alte Fehler vermeiden.

Verändern Sie hingegen jedes Mal die Übung komplett, müssen Ihre Spieler die Übung neu erlernen. Dann fängt alles wieder von vorne an. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Ihre Spieler das, was Sie bei der letzten Trainingseinheit gelernt haben, sehr schnell wieder vergessen werden. Viele Trainer ordnen aus diesem Grund regelmäßig einfache Pass- und Technikübungen an. Gute Anregung dazu bieten moderne Fussballtrainingspläne. Beim Fußball ist eine Verbesserung der Fähigkeiten in erster Linie durch stetige Arbeit an den Details möglich. Extreme Variabilität beim Training kann also dazu führen, dass Ihre Spieler sich nicht oder nur langsam verbessern.

Ein Beispiel aus einer anderen Sportart:

Dirk Nowitzki hat in den ersten Jahren seiner Karriere in jeder Sommerpause genau eine neue Wurftechnik einstudiert. Auf diese Weise ist er schließlich zu einem der komplettesten Basketballer der Welt geworden.

Variables Training zielgenau einsetzen

Sie müssen nicht zu einem zweiten Otto Rehhagel werden, um als Trainer Erfolg zu haben. Grundsätzlich ist es durchaus empfehlenswert, immer wieder neue Übungen einzuführen, aber eben nicht unbedingt bei jeder Trainingseinheit. Dafür können Sie aber bestimmte Übungsformen bei jeder Durchführung variieren. Beim Koordinationstraining funktioniert das sehr gut. Sie können jedes Mal einen anderen Parcours aus Ringen, Slalomstangen und Koordinationsleitern aufbauen. Das funktioniert in diesem Fall ohne Reibungsverluste, weil sich die prinzipiellen Übungsinhalte allenfalls minimal verändern. Dafür müssen sich die Spieler aber jedes Mal neu konzentrieren, denn sie kennen den Parcours noch nicht. Das ist in diesem Fall ein gewünschter Effekt.

Abwechslung macht das Training interessanter

Sie trainieren Amateure, die einem Hobby nachgehen. Deswegen gehört es auch zu Ihren Pflichten, das Training interessant zu gestalten. Das geht natürlich nicht, wenn Sie tatsächlich zu einem Amateur-Rehhagel werden. Schon zu seiner Zeit war Otto Rehhagel ein Unikum im Trainergeschäft. Nur aufgrund seiner großen Erfolge und seiner Persönlichkeit konnte er mit seinen Methoden überhaupt erfolgreich sein. Von Otto Rehhagel können Sie lernen, dass es nicht unbedingt nötig ist, dem Mainstream zu folgen. Auch nur mit einem ganz eigenen Weg können Sie als Trainer erfolgreich sein. 

 


Vorheriger Blog
De Jong startet wieder durch
Nächster Blog
Mehmedi schlägt ein