Warum ein Schiedsrichter immer Respekt verdient

23.04.2013 06:00 von Teamsportbedarf.de
Tags: Schiedsrichter Schiedsrichterpfeife Fairness

Haben Sie schon einmal ein Fußballspiel geleitet? Wenn ja, dann wissen Sie aus eigener Erfahrung, wie schwierig der Job des Schiedsrichters ist. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Trainer sich maßlos über Schiedsrichter aufregen und dies dann auch lautstark kundtun. Das färbt dann häufig auch auf die Spieler ab und am Ende darf sich niemand wundern, dass es in den letzten Jahren im Amateurbereich gelegentlich vorgekommen ist, dass Schiedsrichter von Spielern, Trainern oder Zuschauern körperlich angegriffen worden sind. Aber muss das alles sein?

Welchen Sinn hat es, den Schiedsrichter zu beschimpfen?

Schiedsrichter nehmen eine einmal gefällte Entscheidung nicht zurück. Wenn das doch einmal geschehen sollte, dann gibt es meist einen Linienrichter, der korrigierend eingreift. Aber es gibt keinen vernünftigen Grund zu glauben, dass ein Schiedsrichter, der nach seinem ersten Eindruck entscheidet, seine Meinung ändert nur weil ein Trainer an der Seitenlinie durchdreht. Realistisch betrachtet hat ein Schiedsrichter auch kaum die Chance, eine Entscheidung glaubhaft zurückzunehmen, denn schließlich gewinnt er ja keine neuen Fakten dadurch, dass eine Mannschaft sich beschwert. Das Beschweren ist beim Fußball ein völlig gängiges Ritual, so dass die Glaubwürdigkeit von Spielern, die beteuern, auf keinen Fall ein Foul begangen zu haben, gleich Null ist.

Wo bleibt die Fairness beim Fußball?

Fairness ist eigentlich das höchste Gebot in jeder Sportart. Beim Fußball wird dieses Gebot aber häufig mit Füßen getreten und gerade die Trainer fallen leider häufig mit Unfairness auf. Es ist zum Beispiel nicht besonders fair, wenn ein Trainer sich völlig zu Recht über einen Spieler aufregt, der mit einer Schwalbe einen Strafstoß erzwingt, obwohl einer seiner Spieler in der Woche zuvor auf ähnliche Weise das umjubelte Siegtor vorbereitet hat. Vielleicht ist es in einer Leistungsgesellschaft aber zu viel verlangt, Fairness auch dann einzuhalten, wenn dies zu einer Niederlage führt.

Demnächst Spiele im Amateurbereich ganz ohne Schiedsrichter?

Es gibt immer weniger junge Menschen, die Schiedsrichter werden wollen. Das kann auch niemanden wundern, denn wer lässt sich schon freiwillig jedes Wochenende auf dem Fußballplatz beschimpfen? Es ist ja nicht nur der Trainer, es sind auch die Spieler und oft auch die Zuschauer, die den Schiedsrichter massiv unter Druck setzen. Ein Bundesliga-Schiedsrichter hat vielleicht noch das finanzielle Argument vor Augen, aber ein Amateur-Schiedsrichter geht seinem Hobby nach und hat meist höhere Ausgaben als Einnahmen. Was machen Sie eigentlich, wenn irgendwann zu Ihren Spielen kein Schiedsrichter mehr kommt? Nehmen Sie dann die Schiedsrichterpfeife und leiten das Spiel selbst?

Gewinnen kann nicht alles sein

In Deutschland gibt es eine unglückselige Tradition, die sich mit der berüchtigten Parole aus dem Ersten Weltkrieg „Sieg oder Untergang“ zusammenfassen lässt. Wesentlich sympathischer sind in dieser Hinsicht die Engländer, die es geschafft haben, eine Sportkultur zu entwickeln, bei der eine Niederlage kein Untergang, sondern ein elementarer Bestandteil des Sports ist. Wenn sich der Verlierer einer sportlichen Auseinandersetzung durch faires und respektvolles Verhalten auszeichnet, ist das mindestens so viel wert wie ein sportlich fair errungener Sieg. Wenn also das nächste Mal der Schiedsrichter nicht das macht, was Sie gerne hätten, sollten Sie sich vielleicht einfach eine Kalt-Warm-Kompresse in den Nacken legen und tief durchatmen.

 


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