Welche Fußbälle im Hallentraining?

22.05.2018 14:56 von Teamsportbedarf.de

Eine Frage, die sich im regulären Trainingsbetrieb im Freien nicht stellt, rückt in den Wintermonaten für den Fußballtrainer plötzlich in den Vordergrund - mit welchem Ball soll in der Halle gespielt werden? Als grundlegende Alternativen stehen die auch im Freien verwendeten (Leder- bzw. Polyrethan-)Fußbälle, Filzbälle und Futsalbälle bereit. 

 Entscheidungskriterien

Auf den ersten Blick scheinen persönliche Präferenzen ein wichtiges Kriterium bei der Ballwahl auszumachen. Wer dem Hallentraining bisher nur mit Filzbälle begegnet ist, der wird ohne fremden Einfluss auch nicht davon abweichen.
Auch die Ausstattung in den Sporthallen oder des Vereins wirkt sich bedeutend auf das Ballmaterial aus. Wieso schließlich extra Hallenbälle anschaffen, wenn bereit ein Mannschaftssatz an Lederbällen zur Verfügung steht, der normalerweise im Freien verwendet wird? Der finanzielle Aufwand hierfür darf nicht unter den Tisch fallen, denn schließlich verlangt die moderne Trainerausbildung möglichst viele Ballkontakte pro Spieler in einem Training und daher sollte auch eine gewisse Anzahl an Bällen verfügbar sein, im Idealfall einer pro Spieler.

Sportwissenschaftliche Untersuchung

Auf die Qualität der Ballkontakte wirkt sich eine Untersuchung von Frick und Heim mit Schülerinnen und Schülern der fünften Jahrgangsstufe – etwa D-Junioren zwischen 11 und 13 Jahren aus. Hier wurden die Auswirkungen der verschieden Bälle auf Lern- und Transfereffekte untersucht. Die festgestellte Rückprallhöhe aus einer definierten Fallhöhe von 2,00 Meter wurde festgestellt und lieferte eindeutige Ergebnisse von 51 cm beim Futsal, 135 cm beim Lederball und 124 cm beim Filzball. Daher wirkt beim Futsalball bei An- und Mitnahme auch deutlich weniger Kraft auf die beteiligten Körperteile, festgestellt durch eine Kraftplatte, auf die die Bälle prallten – dies unabhängig vom Luftdruck, sondern lediglich abhängig vom Material des Balles.
Daraus resultierend entwickelte das Autorenduo ein Messverfahren („Fußballspezifischer Test 1“) zur An- und Mitnahme springender Bälle. Hierbei wurden die Bälle über eine standardisierte schiefe Ebene gerollt, mussten zu einer drei Meter entfernten Ziellinie mitgenommen und dort mit der Sohle gestoppt werden. Während dies bei Fuß- und Filzbällen durchschnittlich etwa die gleiche Dauer in Anspruch nahm (6,34 und 6,37 Sekunden), erfolgte dies beim Futsalball deutlich schneller (5,68 Sekunden).

Die Variation macht’s

Obwohl die sowohl die geschilderte Studie als auch der vermehrte Bezug auf Futsal die positive Seite diesen Balls in den Vordergrund rückt, so können doch auch Vorteile der anderen Ballarten angeführt werden. Schließlich ist es bedeutend schwerer, mit dem hoch springenden Leder- bzw. Polyrethanmaterial umzugehen, während der Futsal deutlich „einfacher“ zu spielen ist. Im Zuge einer Differenzierung innerhalb der Lerngruppe könnte hierbei also sehr gut abgewechselt, individualisiert und ergänzt werden.

Weitere Effekte

In der Studie wurden außerdem der zeitliche Verlauf und daraus resultierende Lerneffekte betrachtet, die drei teilnehmenden Klassen wurden hierfür jeweils nur mit einem Ball trainiert. Dabei stellten die Untersuchenden eine Zeitdauer für die Mitnahme vor und nach einem Trainingsblock nur mit dem jeweiligen Ball fest. Während sich die „Filzball-Klasse“ fast gar nicht steigern konnte (von 6,72 auf 6,58 Sekunden), so legte die „Fußball-Klasse“ von 7,06 auf 5,88 Sekunden zu und die „Futsal-Klasse“ gar von 5,23 auf 4,57 Sekunden. Dies entspricht einer Verbesserung von 10,9 Prozent, was auch die im Spiel diagnostizierte Summe aller Aktionen mit Ball deutlich nach oben schnellen ließ. Neben dem deutlich feststellbaren Lerneffekt bedeutet das, dass die Kinder bei gleicher Spieldauer signifikant mehr Aktionen am und mit dem Ball hatten – bedingt durch die schnellere Mitnahme.

Positive Auswirkungen des Futsalballs

Eine zusätzliche Auswertung per Fragebögen erhob, dass der Futsalball deutlich weniger Angst bei den Kindern hervorrief als die beiden anderen. Als Referenzwert für die jungen Kicker dient stets der Fußball, denn dieser wird im regulären Saisonverlauf verwendet. Also untersuchten Frick und Heim, welche Klasse mit dem Fußball draußen die besten Ergebnisse erzielte. Die „Futsalball-Klasse“, die nur mit dem Futsal geschult wurde, konnte plötzlich mit dem Lederball deutlich besser umgehen und sich um 13,1% verbessern. Währenddessen hatten die Kinder der „Filzball-Klasse“ sich in der Hallentrainingszeit nur um 6,0% verbessert.

Fazit

Erwartungsgemäß kann der Futsalball deutlich schneller mitgenommen werden als die andern in der Halle verwendeten Ballarten. Dadurch haben die Spieler bei gleicher Spielzeit viel mehr Aktionen am Ball, was sich nicht überraschend sehr positiv auf die Lerneffekte auswirkt. Außerdem zeigen sich lediglich bei Futsalball deutliche Transfereffekte auf das Spiel mit dem gewohnten Fußball. Schon allein um die Differenzierungs- und Umstellungsfähigkeit der Kinder zu schulen, sollte verschiedene Ballarten verwendet werden. Aufgrund dieser Studie sollten Trainer beim Hallentraining vermehrt auf Futsalbälle zurückgreifen.

 

Von Dominik Langenegger

www.dominik-langenegger.de

 


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