Darf ein Schiedsrichter aufgrund eines Zeitspiels einen Freistoß zusprechen?

Beim Fußball gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, auf das Spiel einzuwirken. Nicht jede davon erfolgt aktiv. Denkbar wäre es ebenso, passiv zu agieren und etwa einen Freistoß oder einen Einwurf besonders langsam auszuführen. Damit schwindet wertvolle Zeit – und dem Gegner ist unter Umständen die Chance genommen, einen Rückstand aufzuholen. In diesem Vorgehen kann jedoch auch das regelwidrige Zeitspiel zu sehen sein.

Was ist das Zeitspiel?

Der Schiedsrichter ist für die Einhaltung der Regeln verantwortlich. Nicht immer hat er darüber zu entscheiden, ob ein Tor gepfiffen, ein Foul geahndet oder eine Karte verteilt werden muss. Manch ein Spieler stellt sich besonders clever an, wenn es darum geht, kostbare Sekunden von der Uhr zu nehmen. Er wälzt sich nach einer Kollision mit dem Gegner vielleicht besonders lange am Boden. Oder er führt einen Abstoß aufreizend langsam aus. Vielleicht trabt er aber auch bei einer Auswechslung im Schneckentempo vom Platz. Alle diese Möglichkeiten verfolgen nur ein Ziel: Die für das Spiel anberaumten 90 Minuten verstreichen zu lassen, ohne dass dabei der Ball rollt – und ohne das Risiko für die eigene Mannschaft einzugehen, sich ein Gegentor zu fangen. Für den Unparteiischen kann darin aber auch ein Vergehen liegen, das er ahnden muss. Doch gibt es dabei eigentlich einen Freistoß?

Eine Frage von Sekunden

Nach welchen zeitlichen Fristen ein Zeitspiel vorliegt, ist nicht genau bestimmt worden. Einige Meinungen rund um den Fußball fordern, sobald sich ein Spieler etwa drei bis vier Sekunden Zeit lasse, um einen Freistoß nach dem Pfiff auszuführen, kann darin bereits ein Regelbruch gesehen werden. Andere Stimmen meinen, der Unparteiische müsse je nach Situation individuell entscheiden, ob da gerade Sekunden gesammelt werden oder nicht. Speziell in den Fällen eines Fouls ist das natürlich nicht immer möglich: Wurde der Spieler wirklich schwer getroffen oder simuliert er bloß theatralisch eine Verletzung? Der Referee muss hierbei einen kühlen Kopf bewahren, die Situation insgesamt entscheiden, aber auch die Vorkenntnisse über den Betroffenen einbeziehen. Denn natürlich ist dem Schiedsrichter bekannt, dass einige Kicker ganz gerne einmal die Chance nutzen, ein wenig Zeit zu schinden. Ganz besonders auffällig war dabei der einstige Torwart des 1. FC Köln: Faryd Mondragon schaffte es in einem Zweitligaspiel beim Stand von 0:0 schon in der achten Minute, die Partie fortwährend zu verzögern.

Die Konsequenzen aus dem Zeitspiel

Das Regelwerk des Deutschen Fußballbundes gibt Auskunft darüber, wie in derartigen Fällen zu verfahren ist. Unter Regel 12 lässt sich beispielsweise finden, mit welchen Strafen beim Zeitschinden gerechnet werden muss. Dort sind zunächst rein persönliche Sanktionen vorgesehen: Sie betreffen den Spieler, der alles etwas langsamer angehen lässt. Überspannt er den Bogen und befindet der Schiedsrichter, dass dieser absichtlich die Sekunden verstreichen lassen möchte, so kann er ihm eine Verwarnung erteilen. Allerdings ist neben dieser Gelben Karte keine weitere Strafe möglich. Heißt also, dass aus der regelwidrigen Aktion kein Freistoß für den Gegner resultiert. Das Spiel verläuft schlichtweg normal weiter, das ballführende Team sieht sich also keinen weiteren Einschränkungen gegenüber. Wichtig dabei ist es somit, dass nur der Spieler verwarnt wird, seine Mannschaft aber nicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Denn nicht immer ist diese mit dem langsamen Auftritt ihres Kollegen einverstanden.

Unterschiede für den Torwart

Etwas anders sieht das Regelwerk ein Zeitspiel immer dann, wenn der Mann im Tor dieses ausführt. Das ist meist der Fall, wenn dieser für den Abstoß ungewöhnlich lange braucht oder die Partie eben nicht fortschreiten kann, wenn er den Ball in den Händen hält. Dem Schiedsrichter steht dabei ein Maß von sechs Sekunden zu. In dieser Frist darf er den Keeper nicht sanktionieren. Wird diese Dauer aber überschritten, so folgt daraus ebenfalls eine Verwarnung – die nun aber um einen indirekten Freistoß für den Gegner ergänzt wird. Und das heißt etwa im Falle eines Abstoßes, dass die Position des Freistoßes lediglich fünf Meter vor dem gegnerischen Kasten liegt. Ein Torwart sollte sich daher stets bemühen, nicht allzu auffällig und vor allem nicht allzu lange das Zeitschinden auszuüben – er gefährdet damit eventuell seine eigene Mannschaft.

Andere Fragen, die Dich interessieren könnten:

Wie lange dauert ein Eishockeyspiel mit Pausen?

Was ist die Luxury Tax im US-Sport?

Wie berechnen sich Ablösesummen im Amateurbereich beim Fußball?

Wie groß muss ein Fußballfeld mindestens sein?

Nach oben
;