Was ist das Hawk-Eye beim Tennis?

Als Hawk Eye bezeichnet man allgemein ein System, das dabei helfen soll, knappe sportliche Entscheidungen, also zum Beispiel, ob ein Ball im Feld oder "aus" war, im Nachhinein fast zweifelsfrei klären zu können. Es kommt vor allem in Sportarten wie Cricket, Snooker oder Tennis zum Einsatz. Im Tennis ist das Hawk Eye seit 2006 bei vielen größeren Turnieren etabliert und hilft dabei, schwierige Situationen zu bewerten. So hat jeder Spieler pro Satz zweimal (in Wimbledon dreimal) die Möglichkeit, auf diesen Videobeweis zurückzugreifen und somit überprüfen zu lassen, ob der Ball des Gegners tatsächlich innerhalb der Feldbegrenzung aufgekommen ist oder nicht doch, entgegen der Entscheidung der Schieds- und Linienrichter, "out" war. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass der Spieler, der die Entscheidung angezweifelt hatte, im Recht war, wird ihm jedoch keiner dieser Möglichkeiten eines Videobeweises abgezogen. Greift ein Spieler während des Matches auf die Hilfe der Technologie zurück, nennt man dies eine "Challenge".
Auf einer Großbildleinwand wird dann innerhalb von zehn Sekunden nach der strittigen Szene, für Zuschauer, Schiedsrichter und Spieler sichtbar, angezeigt, ob der Ball auf oder knapp neben der Linie gelandet ist. Hierfür wird eine 3D-Animation des Balles und der Flugkurve erstellt, aus der dann zweifelsfrei ersichtlich wird, welche Entscheidung korrekt zu treffen ist. Der Aufsprungpunkt kann hierbei bis auf drei Millimeter genau berechnet werden. 
Möglich macht dies ein ausgeklügeltes System, bestehend aus vier bis zehn Kameras, die das Spielfeld aus verschiedenen Blickwinkeln aufnehmen, und einem zentralen Computer, der mithilfe einer speziell angefertigten Videosoftware die Bilder in kürzester Zeit auswertet und den genauen Ort der Ballberührung auf dem Boden berechnet. Dies funktioniert so: Zunächst wird in jeder der Einzelaufnahmen der Ball zu einem bestimmten Zeitpunkt identifiziert. Dadurch, dass die Positionen der Hochgeschwindigkeitskameras und somit ihre Winkel zum Ball bekannt sind, kann dann mithilfe sogenannter "Triangulierung", einem mathematischen Verfahren, die genaue Position des Balles bestimmt werden. Um das Ergebnis noch weiter zu verfeinern, werden sogar Faktoren wie Wind oder Bodenbelag mit zur Berechnung herangezogen.
Benannt nach seinem aus England stammenden Erfinder Paul Hawkins wurde das Hawk Eye im Tennis zum ersten Mal 2005 beim Hopman Cup in Australien eingesetzt. Es gab jedoch auch schon Anfang der 2000er Jahre Tests bei einzelnen ausgewählten Cricketspielen.
Auch wenn das "elektronische Auge" viele Vorteile mit sich bringt, wird trotzdem häufig noch darauf verzichtet, da die Anschaffung einer solchen Anlage inklusive Kameras und Computer pro Stadion etwa mit 50000 Euro zu Buche schlägt und somit für viele Spielstätten schlicht und einfach zu teuer ist.
Bei Turnieren auf Sand wird auf das System im Normalfall ebenfalls verzichtet, da die Spuren des Balles auf dem losen Untergrund sichtbar sind und die Bewertung der Situation somit leichter fällt als auf Plätzen mit Hartbelag oder Rasen. 
Kritisiert wird die Technologie unter anderem, da sie taktische Finessen zulässt, die beim Tennis ursprünglich nicht gewollt waren. So "challengen" Spieler teilweise absichtlich, um den Gegner aus seinem Spielrhythmus zu zwingen oder um sich selbst eine kleine Pause zu verschaffen. Unter anderem ist auch Roger Federer skeptisch gegenüber der Hawk Eye - Technologie eingestellt, da sie zudem teilweise ungenau sei, was allerdings nicht belegt ist.
Trotz allem herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass durch die Möglichkeit des Videobeweises fairere Bedingungen im Tennis geschaffen wurden und sich der Unterhaltungswert für den Zuschauer zusätzlich deutlich gesteigert hat. Außerdem ist sie deutlich genauer als das zuvor verwendete "magische Auge", das nur beim Aufschlag eingesetzt wurde und zudem oft fehlerhaft war.

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